Gut geschaltet
24. Februar 2026Brandheißes "HiFi-Tuning"
Das Schöne an unserer Arbeit ist ja, dass es auch nach all den Jahren an Werkstattarbeit immer wieder Überraschungen gibt, die einen staunen lassen. Manchmal wissen wir nur nicht, ob wir lachen oder weinen sollen, denn was uns so an manchem HiFi-Tuning über den Weg läuft, kann echt haarsträubend und auch im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich sein. Und damit meinen wir noch gar nicht solch lustigen Sachen wie Geigenlack im CD-Player zur Klangverbesserung.
Im Folgenden zeigen wir ein paar Beispiele, wie aus gut gemeintem Eifer echte Gefahrenquellen für das HiFi-Gerät und auch gleich das ganze Haus entstehen können.
Also, bitte nicht nachmachen!

Beispiel 1:
Der eifrige HiFi-Tuner hatte hier die Spannungsversorgung eines harman/kardon Vollverstärkers auserwählt, um vermeintliche Klang- oder Leistungsverbesserungen umzusetzen. Da die Kapazität der vier Netzteil-Elkos ihm offensichtlich zu gering erschien, wurden diese kurzerhand durch wesentlich größer dimensionierte Elkos ersetzt. Größer nicht nur im Sinne der Kapazität, sondern auch ganz wörtlich physisch mit wesentlich größeren Abmaßen.


Damit die nun "gesteigerte Energie" auch ungehindert fließen kann, wurden gleich noch ordentlich dimensionierte Leitungen durch den Verstärker gelegt, um die "unterdimensionierten" Leiterbahnen auf der Endstufenplatine zu überbrücken.
Diese überdimensionierten Elkos passten nun nicht mehr an ihren vorgesehen Platz auf der Hauptplatine des PM-655, sondern wurden umgepflanzt an eine freie Stelle im Gehäuse. Als Basis diente eine dünne Trägerplatte, verstärkt mit etwas Multiplexholz.

Diese Bastelei mag tatsächlich technisch funktioniert haben - ob sie irgendwelche klanglichen Verbesserungen gebracht hat, sei einmal dahin gestellt.
Allerdings ist das ganze auf wackelige Füße, respektive eine dünne, instabile Platte aufgebaut worden. Den Versand zu uns hat diese Konstruktion jedenfalls nicht überlebt, sodass wir beim Öffnen des Verstärkers einen frei kullernden Kondensator aus dem Gerät fischen konnten.
Wir haben dann im Zuge der Revision diesen ganzen Tuning-Unsinn zurück gebaut und die richtigen Elkos an den dafür vorgesehenen Stellen verbaut.

Beispiel 2:
Wirklich absurd wird es, wenn man einer Sicherung ihrer Aufgabe beraubt und sich einfach über sie hinwegsetzt.
Hier waren Feinsicherungen in einem HiFi-Gerät kaputt gegangen und anstatt sie auszutauschen, wurde kurzerhand einfach ein Draht als Überbrückung drüber gelötet. Das kann man dann nicht einmal mehr eine stümperhafte Reparatur nennen, sondern das ist grobe Fahrlässigkeit!

Beispiel 3:
Als absolutes Negativbeispiel möchten wir diese heiße Kiste zeigen, denn hier handelt es sich nicht um die Bastelei eines unwissenden Amateurs, sondern um den fehlkonstruierten Originalzustand (wir nennen das Gerät und den Hersteller hier nicht, da wir wissen, dass dieses Gerät mittlerweile überarbeitet produziert wird).
Hier wurden jeweils drei Emitterwiderstände als dicht gedrängtes Paket verlötet, sodass sich die Widerstände gegenseitig aufheizen. Hinzu kommt, dass die Platine kopfüber installiert ist, sodass die heiße, aufsteigende Luft sich staut. Die Krönung dabei lag dann noch in dem völligen Fehlen von Lüftungsschlitzen im Gehäuse. Hier hat sich also eine Menge Wärmeenergie aufgestaut, sodass das Lötzinn an den Widerständen weich wurde und die Bauteile sich dank Schwerkraft nach unten hin aus der Platine verabschiedet haben. Die nun veränderte Schaltung ohne Emitterwiderstände hat das ganze dann noch mit platzenden Elektrolytkondensatoren quittiert und den Betrieb eingestellt.
Dass solch ein Gerät überhaupt die Testphase beim Hersteller überstanden haben soll und auf den Markt gebracht wurde, ist wirklich haarsträubend!



Beispiel 4:
Das letzte Beispiel führen wir an, da dieser Fehler schnell mal im HiFi-Alltag passieren kann, auch ohne dass man ein Gerät öffnet und herumbastelt.
Die Lautsprecher waren lange eingelagert oder es ist ein günstiger aber unvollständiger Gebrauchtkauf - wie auch immer, irgendwie ist auf einmal die Bi-Wiring-Brücke nicht mehr da.
Vermeintliche Abhilfe ist da mit einem einfachen Stück Draht schnell bei der Hand. Aber Vorsicht, das kann so richtig daneben gehen.
Schneller als gedacht hat man hier einen Kurzschluss produziert, welcher dem angeschlossenen Verstärker oder der Endstufe in Millisekunden den Garaus macht.
Also, bitte, immer vernünftige Brücken /Brückenkabel verwenden, welche mindestens isoliert oder bauartbeding nicht verrutschen können.




